Verpackung im Zeitalter von E-Commerce

19/02/2019

Nach Aussagen des Bundesverbandes E-Commerce und Versandhandel (bevh) ist der Umsatz mit Waren 2017 im E-Commerce in Deutschland auf 58,5 Milliarden Euro angestiegen. Für 2018 erwartete der Verband einen weiteren Zuwachs um 9,3 % auf rund 63,9 Milliarden Euro.

Die stärksten Wachstumsraten wiesen die Segmente Haushaltswaren/-geräte, Lebensmittel sowie Computer und -zubehör auf. Die klassischen Versandbranchen wie z. B. Bekleidung und Bücher weisen nur geringe Wachstumsraten auf oder sind sogar rückläufig.

Dass Lebensmittel ein starkes Wachstumssegment sind, verwundert nicht. So liegt der E-Commerce-Anteil am FMCG-Umsatz in Deutschland laut einer Erhebung des Kantar Worldpanels erst bei 1,7 %. Ähnlich sieht es in den anderen europäischen Ländern aus. Asien ist hier schon ein Stückchen weiter. In Südkorea liegt der Anteil bei 19,7 %.

Mit der wachsenden Bedeutung des E-Commerce steigt auch die Bedeutung der Versandverpackung beträchtlich. Eintönig war gestern. Die Versandverpackung avanciert zum wichtigen Kommunikationsinstrument, denn das Shoppingerlebnis im stationären Einzelhandel verlagert sich beim Onlinehandel auf das Unboxing – das Auspacken der Ware. Unboxing ist zu einem Happening und wichtigen emotionalen Moment geworden.

Die Verpackungsindustrie reagiert darauf. Fast 90 % der Versandverpackungen bestehen aus Wellpappe. Daneben sind auch flexible Kunststofffolien als Verpackungsmaterial insbesondere für Bekleidung im Einsatz. Der Veredelung durch Bedruckung kommt eine besondere Bedeutung zu. Nicht nur außen, sondern auch innen kreativ bedruckt, sorgen die Verpackungen für Aufmerksamkeit. Mittels Digitaldrucktechnologie sind auch persönliche Botschaften und ein hohes Maß an Individualisierung möglich.

Das einfache Handling durch den Verbraucher ist eine wichtige Anforderung an die Versandverpackung – leichtes Öffnen der Verpackung ebenso wie das einfache Wiederverschließen. Dies ist insbesondere für die Retourenabwicklung von Bedeutung, denn die Retourenraten sind, abhängig von der Branche, unterschiedlich hoch. Im Fashionbereich teilweise über 50 %.

Auch die Größenanpassung der Verpackung an die Ware wird zunehmend wichtiger. So wenig Verpackungsmüll wie möglich und eine Reduzierung der Leerräume sind das Ziel. Verpackungs-zuschnitte, die flexibel an die Warengröße angepasst werden können, helfen auch dem Online-händler, nicht eine Fülle von unterschiedlichen Verpackungsgrößen bevorraten zu müssen. Zudem erfüllen sie beim Verbraucher den Wunsch nach Umweltfreundlichkeit und bequemer Entsorgung.

Mit den gestiegenen Anforderungen an Versandverpackungen, die auch eine Steigerung der Wertschöpfung mit sich bringen, kommen auch neue Anbieter ins Spiel. Klassische Händler von Versandverpackungen konkurrieren nun mit Herstellern von Kartonagen, da sie ebenfalls eine Veredelung anbieten.

Und auch das Spektrum der Verwender von Versandverpackungen erweitert sich. Neben den reinen Onlinehändlern wie Amazon und Co setzen immer mehr Markenartikler auf E-Commerce. Marken wie L’Oreal Paris und Maybelline erzielen in China pro Jahr rund 35 % ihres Umsatzes im E-Commerce. Procter&Gamble hat mit der „Tide Eco-Box“ für das flüssige Waschmittel Tide eine Verpackung speziell für den Onlineversand entwickelt. Das Beispiel zeigt, dass E-Commerce auch auf der Ebene der Primärverpackung zu Änderungen führt und nicht nur bei der Versandverpackung. In den USA denken angeblich bereits 70 % der Markenartikler über eine Änderung der Primärverpackung nach, um den Anforderungen des E-Commerce gerecht zu werden.

Es bleibt also spannend und E-Commerce-Verpackungen haben noch viele ungenutzte Potentiale.