Praxis-Check: McDonalds Modell-Restaurant für weniger Müll & Plastik

28/06/2019

Foto: McDonald’s Deutschland

Vom 17. bis zum 26. Juni 2019 machte McDonalds seine Filiale in der Mall of Berlin zu einem Modell-Restaurant unter dem Motto „Weniger Müll & Plastik“. Das Team von B+P Creality war vor Ort, um die Maßnahmen und alternativen Verpackungen unter die Lupe zu nehmen. Das Fazit fällt gemischt aus.

McDonald’s-Burger in Graspapier und Ketchup in Waffeln: McDonalds stellte in der Mall of Berlin den aktuellen Stand seiner Arbeiten an einem „Verpackungskonzept mit nachhaltigeren Lösungen“ vor. Vordringliches Ziel des Konzepts, das im „Modell-Restaurant“ einen Praxistest erlebte: Weniger Müll & Plastik.

Schon beim Betreten der Filiale wurden die Gäste mit Hinweistafeln empfangen, die sie zu einem „Live-Experiment“ begrüßten. Unter dem Motto „Viele Wege führen zum Ziel“ benannten Digitaldisplays unterschiedliche Maßnahmen des Projekts wie beispielsweise die Verwendung von Mehrwegverpackungen.

An den Bestell-Terminals markierten grüne Punkte diejenigen Produkte, die „alternativ verpackt“ bestellt werden konnten. Das Creality-Team nahm seine Pflichten ernst und bestellte – die Kalorien tapfer in Kauf nehmend – eine größere Bandbreite.

Die Verpackungsalternativen im Check

  • Mehrwegbecher für Getränke. Sie ersetzten die Einwegvarianten und bestanden aus Kunststoff. Für eine konkrete Nachhaltigkeitsbilanz müssten die Aufwände wie beispielsweise die Installation von Spülmaschinen sowie Wasser und Energieverbrauch für die Reinigung mit den bisherigen Einwegvarianten verglichen werden.
    • Pro: Mehrweg
    • Kontra: Nicht für den to-go-Einsatz oder Einführung eines Pfandsystems nötig
  • Trinkhalme aus Papier. Sie ersetzten die (demnächst europaweit verbotenen) Varianten aus Kunststoff.
    • Pro: Papier ersetzt Kunststoff.
    • Kontra: Der Halm löst sich beim Verzehr von Shakes zu schnell auf. Von der gefühlten hygienischen und geschmacksneutralen Anmutung des Kunststoffhalms ist der Papierhalm noch weit entfernt.
  • PE-kaschierten Papier-Schalen wurden für die Salate verwendet und ersetzten die bisherigen Kunststoffboxen.
    • Pro: Ersatz von Kunststoff.
    • Kontra: Die Schalen sind nur schlecht recyclingfähig. Die zuvor verwendeten Kunststofflösungen aus Monomaterial sind besser recyclingfähig.
  • Papiertüten. Sie wurden für Chicken McNuggets verwendet und auf das Tablett gelegt. Die Tüten waren offensichtlich aus Frischfasern gefertigt und ersetzen die zuvor verwendeten Schachteln aus Karton.
    • Pro: Der Materialeinsatz ist geringer.
    • Kontra: Durch den experimentellen Status der Verpackungen waren die Tüten nicht final gestaltet und gebrandet. Für die finale, bedruckte Version wird sich die Frage stellen, welche Druckfarben verwendet werden. Das Problem der Migration von unerwünschten Stoffen aus der Verpackung in das Lebensmittel ist gerade bei „fettigen Speisen“ nicht zu unterschätzen.
  • Waffelbecher. Sie wurden für Ketchup und Dips sowie Softeis verwendet. Die essbaren Verpackungen ersetzten bisherige Kunststoffbecher.
    • Pro: Grundsätzlich machten die Waffelbecher durchaus eine gute Figur. Sie ersetzen vorher verwendete Lösungen aus Kunststoff.
    • Kontra: Problematisch könnte allerdings der Hygieneaspekt werden. Zumindest in unserer Gruppe wollte nicht jeder einen Waffelbecher essen, der zuvor durch einige Hände gegangen war und am Ende auf dem Tisch des Fast-Food-Restaurants steht. Im Normalfall dürften die Becher übrig bleiben und in den Restmüll wandern. Aber wie sieht die Gesamtbilanz aus, wenn man Getreideproduktion und Herstellung mit einberechnet? Sind Lebensmittel, die dafür produziert werden, im Normalfall entsorgt zu werden, die richtige Botschaft?
  • Graspapier wurde für die Verpackung der Burger verwendet. Diese Lösung gefiel uns am besten.
    • Pro: Das Graspapier erfüllt seine Funktion, ist haptisch ansprechend und auch optisch eine gute Lösung.
    • Kontra: Der Grasanteil beträgt „nur“ 30 Prozent. Auch vorher setzte man bereits auf reine Papier- bzw. Karton-Lösungen.
  • Besteck aus Holz ersetzte entsprechende Varianten aus Kunststoff.
    • Pro: Verzicht auf Kunststoff.
    • Kontra: Zwar wird ein nachwachsender Rohstoff verwendet, die Lösung ist allerdings nicht recyclingfähig und muss über den Restmüll entsorgt werden. Geschmacklich hat uns das Holzbesteck allerdings nicht überzeugt. Auch das Gefühl im Mund ist gewöhnungsbedürftig.

 

Das Fazit des Test-Lunchs

Das Fazit unseres Test-Lunchs fällt gemischt aus.

Positiv hervorzuheben ist, dass hier ein großer Player versucht, mutig voranzugehen. McDonalds hat sich einige Insights geholt und sucht nach Alternativen.

Trotzdem bleiben am Ende nur unwesentlich weniger gebrauchte Verpackungen auf dem Tablett zurück. Einzig der Anspruch, weniger Kunststoff einzusetzen, wird sichtbar umgesetzt. Das dürfte zumindest aus Marketingsicht ein Erfolg sein. Ob es in der ökologischen Gesamtbetrachtung sinnvoll ist, müsste im Einzelfall geprüft werden. Ganz offensichtlich – und wenig überraschend – liegt der Fokus bei McDonald aktuell auf dem Bedienen der Nachhaltigkeits-Wahrnehmung der Verbraucher. Die Kluft zu wirklich nachhaltigen und kreislauffähigen Lösungen ist damit nicht zwingend kleiner geworden.

Ebenfalls nicht wirklich gelöst scheint uns auch die Frage, ob es McDonalds mit seinem Konzept gelingt, sowohl den stationär Speisenden als auch den To-go-Konsumenten glücklich zu machen. Denn für ein Essen vor Ort wirken die Verpackungen weiterhin wenig einladend. Und am Ende sitzt man immer noch vor einem „Tablett voller Abfall“. Auf der anderen Seite dürften beispielsweise die nicht verschließbaren Waffelbecher für Ketchup und Dips keine ideale to-go-Lösung sein.