Corona – Was ändert sich für Packaging und Design?

07/07/2020

Verpackungen sind der Spiegel unserer Zeit. So wie sich die Bedürfnisse und Werte der Konsumenten wandeln, wandeln sich auch die Ansprüche an eine Verpackung und damit auch an die Verpackungsentwickler.

Mit Corona müssen wir uns mit einer gänzlich neuen Krise konfrontiert sehen. Seit dem Lock-Down hat sich einiges geändert. Das selbstbestimmte Leben unter dem Grundbedürfnis der Freiheit und Individualität der Bundesrepublik hat sich gewandelt. Die Abstandsregelungen und Hygienevorschriften verdeutlichten die bereits neu definierten Ansprüche an Sicherheit und Gesundheit im öffentlichen Raum. Meetings, Geburtstagsfeiern, Konzerte und Shoppingtouren fanden vermehrt oder ausschließlich digital statt. Die Frage, mit der sich viele auseinandersetzen: Gibt es ein Zurück in die alte Normalität?

Grundsätzlich verunsichern Zeiten wie diese und machen das Bedürfnis nach Transparenz und einer klaren Linie noch bedeutender – Kante zeigen und eindeutig Kommunizieren, auch als Unternehmen. Was genau heißt das alles für die Verpackung? Das erfahren sie in unseren 6 Punkten zu „Verpackung in der Krise“.

1. Verstärkung des Regional-Trends bei Lebensmitteln.

Einer Vielzahl von Konsumenten wird durch Corona bewusst, welche komplexen und langen Lieferketten auch im LEH notwendig sind und wie sich das auf die Konsumgüter auswirkt. Daher wird sich der ohnehin schon vorhandene Regional-Trend noch weiter verstärken, worauf Brands unmittelbar reagieren sollten.

Design-Chance: Stärkeres Herausstellen von regionalen Produkten oder Ingredients durch Visuals, Icons, etc. auf Packung und in der Kommunikation.

2. Digitalisierung des Konsumentenverhaltens und des Einkaufsverhalten.

Packungen müssen in Zukunft noch besser in der Gestaltung auf digitalen Plattformen funktionieren. Zum Beispiel wird ein einfaches „Abfotografieren“ der LEH-Packung dem Potenzial des Online-Handels nicht gerecht werden. Wir benötigen in Zukunft beispielsweise zwei Pack-Shots: Eine für den LEH, eine weitere speziell auf das Web ausgelegte, die auch in kleinen Bildschirmdarstellungen funktioniert und Kaufanreize bietet.

Design-Chance: Spezielle Designs bzw. Visuals auf Produktabbildungen und Pack-Shots speziell für das digitale Umfeld.

3. Soziale, gesellschaftliche Verantwortung der Brands.

Einige Brands haben in der Corona-Krise hinsichtlich des gesellschaftlichen Zusammenhalts schnell Verantwortung übernommen, sei es durch Geldspenden, Sachspenden oder anderem sozialen Engagement. Der Anspruch der Konsumenten an große Brands wird dadurch weiter gesteigert, was auch nach/in der Krise bleiben wird. Diesem Anspruch müssen sich alle Brands stellen und dies auch durch die Gestaltung kommunizieren.

Design-Chance: Soziale Verantwortung muss auch im Design verstärkt kommuniziert werden.

4. Stärkere Ausarbeitung und Kommunikation eines sinnstiftenden Brand Purpose.

Schon lange beobachten wir den Trend, dass die sinnhafte Bedeutung von z.B. Arbeit, Freizeit aber auch dem Konsumverhalten zunehmend an Bedeutung gewinnt – vor allem bei den Millenials. Dies hat selbstverständlich auch Auswirkungen auf Food-Brands, so dass hier teilweise eine Schärfung des Brand Purpose notwendig ist und dies auch entsprechend kommuniziert werden muss, z.B. in der Design-Sprache, durch Claims oder andere Visuals.

Design-Chance: Kommunikation eines sinnstiftenden Brand Purpose.

5. Wunsch nach Freiheit und Autonomie.

Insbesondere jüngere Zielgruppen beeinflussen die Einschränkungen ihrer individuellen Freiheit entlang der Corona-Maßnahmen in der Richtung, dass verstärkt nach Unabhängigkeit, Singularität und Selbstverwirklichung gestrebt wird. Ein Ausbruch aus dieser Einschränkung kann auch eine Opportunität für etablierte Brands sein.

Design-Chance: „Independent Designs“ als Break-Out für etablierte Brands schaffen.

6. Verstärkung des Strebens nach Gesundheit.

Gesunde Ernährung ist seit Jahren ein Dauerbrenner. Dank Lock-Down und Social-Distancing und den daraus resultierenden Verhaltensveränderungen hat dieser Trend einen zusätzlichen Schub bekommen. Münden wird er voraussichtlich darin, dass sich der Konsument zukünftig noch eigenständiger mit Hilfe der Aspekte Gesundheit, Hygiene und Achtsamkeit eigenständig gegen Corona & Co. schützt.

Design-Chance: Die Gesundheitsaspekte der Produkte klarer visuell herausarbeiten und ggf. auch über eine neu geschaffene Ästhetik Sicherheit darstellen.

Es bleibt spannend. Finden wir uns nach der Krise wieder in die alten Strukturen und Muster zurück oder richten wir unseren Lebensstil auch nachhaltig nach den neuen Richtlinien aus? Wir bleiben – zurzeit noch von der heimatlichen Couch aus – am Ball.