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Was ist Greenwashing bei Verpackungen?

Was ist Greenwashing bei Verpackungen?

Abbildungen von Natursymbolen und der fast schon inflationäre Einsatz grüner Farbe auf Verpackungen suggerieren dem Konsumenten Frische, Natürlichkeit und Liebe zur Umwelt. Hinzu kommen Angaben wie „Verpackung aus recycelbaren Materialien“ oder „Zu 89 % aus nachwachsenden Rohstoffen und zu 100 % recycelbar“, die man heute immer häufiger auf Getränkekartons, Duschgel- und Shampooflaschen sowie vielen anderen Produktverpackungen liest.

Doch entsprechen Behauptungen dieser Art auch der Wahrheit? Sind die Verpackungen tatsächlich so grün, wie sie dargestellt werden? Um ehrlich zu sein: nein. Oftmals ist es so, dass Unternehmen sich alle Mühe geben, ihre Produkte natürlicher und nachhaltiger zu verkaufen, als sie in Wirklichkeit sind. Warum? Ganz einfach: Weil sie sich größeren Erfolg davon versprechen. Greenwashing ist allgegenwärtig und ein ernstzunehmendes Problem, dem wir uns in diesem Beitrag widmen.

Verbraucher legen zunehmend mehr Wert auf Umweltfreundlichkeit

Konsumenten achten mittlerweile stärker darauf, umweltfreundlich verpackte Produkte zu kaufen. Und Brands scheinen diesem veränderten Verbraucheranspruch gerecht werden zu wollen – die Betonung liegt allerdings auf „scheinen“. Denn was sich im bräunlichen Papp-Look vermeintlich nachhaltig präsentiert, ist in der Regel eine sogenannte Verbundverpackung mit Kunststoffen und/oder Aluminium. In anderen Fällen handelt es sich zwar durchaus um echtes Papier, aber nur außen, während innen das eigentliche Packaging zum Vorschein kommt – aus Plastik oder Metall.

Brands führen Verbraucher also gezielt hinters Licht. Sie machen sich das neue Umweltbewusstsein der Kundschaft zunutze, um ihre Verkaufszahlen in die Höhe zu treiben.

Über die „Deckmäntelchen-Verpackung“

Der mit Pappe ummantelte Kunststoffbecher ist in den Supermarktregalen inzwischen schon zu einem alten Bekannten geworden. Gleiches gilt für die meisten Zahncremes, die an sich nach wie vor in Plastik gehüllt sind, aber zusätzlich eine Papierverpackung erhalten haben. Es gibt unzählige weitere Beispiele. Zur Veranschaulichung noch eines aus der Food-Branche: Tofu ist wie gewohnt in seiner Kunststofffolie verpackt, trägt jedoch zur optischen Täuschung der Verbraucher seit geraumer Zeit noch ein Pappkleid – es soll das Produkt umweltfreundlicher aussehen lassen.

Diese Vorgehensweise ist in mehrerlei Hinsicht absurd: Auf der Papphülle weisen die Hersteller darauf hin, dass ihr Erzeugnis nun „grüner“ sei als vorher oder im Vergleich zu den Produkten der Konkurrenz. Doch der mitdenkende Konsument erkennt schnell: Im Grunde ist der Pappmantel nichts als unnötiger Zusatzabfall. Er verbraucht zusätzliche Ressourcen und wird bereits entsorgt, ehe man überhaupt mit dem richtigen Produkt in Berührung kommt. Das macht Claims wie „Jetzt nachhaltiger“ absolut unglaubwürdig und die Mülltrennung für den Verbraucher umso aufwändiger.

Die Folge: Insbesondere bei den „clever“ mit Pappe verschleierten Kaffee-Plastikbechern kümmern sich bislang die wenigsten Konsumenten darum, die Bestandteile zu trennen und in die passenden Tonnen zu werfen. Viele sehen nur die Papphülle und geben den Becher nach dem Genuss im Ganzen in den Papiermüll. Es ist nicht so, dass auf der jeweiligen Verpackung keine Hinweise zur korrekten Entsorgung vorhanden wären – doch kaum ein Verbraucher beachtet sie. Und das Ende der unglücklichen Verkettungen bildet dann noch die Problematik, dass Müllsortieranlagen derzeit nur A oder B kennen:

Steht der Plastikbecher im Pappmantel aufrecht auf dem schnell laufenden Förderband, so ordnet der Infrarotsensor ihn dem Kunststoffabfall zu; liegt der Behälter auf der Seite, geht er als Papier durch. Egal, in welchen „Sektor“ der Becher wandert: Beim Recycling wird nur der erkannte Teil zurückgewonnen; der nicht erkannte Teil landet im Restmüll und wird verbrannt. Das macht optimales Recycling unmöglich. Zwar tüftelt man schon an der Entwicklung intelligenter Sortieranlagen, die übriggebliebene Materialien nicht einfach dem Restmüll zuführen, doch solche Projekte stecken noch in den Kinderschuhen.

Verbundverpackungen sind noch übler

Schlimmer geht immer, auch beim Greenwashing: Neue Getränkekartons, beispielsweise von Milch- und Milchersatzprodukten, Apfel- oder Orangensaft, sind gemeinhin Verbundverpackungen, die aus zwei bis fünf unterschiedlichen Schichten mit Pappe, Kunststoff und/oder Aluminium bestehen. Von außen sehen diese Packagings umweltfreundlich aus – im ansprechenden Papp-Look und mit Symbolen verziert, die Natürlichkeit und Nachhaltigkeit ausstrahlen. Und die Krönung der Irreführung sind dann Aussagen über die Einsparung riesiger Mengen an Plastik oder gar über eine hochprozentige Recycelbarkeit.

Es stimmt zwar, dass faserbasierte Verbunde mit Kunststoff weniger Plastik (ver)brauchen. Richtig ist auch, dass die meisten Materialien mithilfe von Lösungsflüssigkeiten voneinander getrennt werden können. Dennoch sind die meisten Verbundverpackungen aus Papier und Kunststoff mehr schlecht als recht recycelbar. Vielschichtige Verbundstoffe müssen minutenlang im Trennmittel zubringen, um sich wenigstens zum Teil voneinander abzulösen. Doch das Recycling ist immer stark begrenzt, sobald eine Kunststoffbeschichtung hinzukommt.

Und: Verbundverpackungen, die Verbraucher aus Unwissenheit oder Bequemlichkeit in den Papierabfall werfen, sodass sie in die Umwelt gelangen, zersetzen sich mit der Zeit und werden zu Mikroplastik, die wiederum die Natur gefährdet – und mit ihr Mensch und Tier.

Fazit: Ehrlichkeit währt am längsten – und hilft der Umwelt so viel mehr

Warum Unternehmen Greenwashing betreiben, ist klar: Um den eigenen Gewinn zu maximieren, lohnt es sich auf den ersten Blick, nachhaltig zu tun, aber nicht nachhaltig zu sein. Es verführt die Kundschaft zum Kauf und kostet vergleichsweise wenig Geld. Doch abgesehen davon, dass es schlichtweg abzulehnen ist, Konsumenten vorsätzlich zu täuschen, kann der Schuss auch schnell nach hinten losgehen: Der moderne Verbraucher ist zunehmend informierter, sodass er grüne Täuschungsmanöver leicht als solche enttarnt. Von ’nachhaltig‘ kann dann nur noch im Zusammenhang mit dem geschädigten Ruf der jeweiligen Marke die Rede sein.

Greenwashing bei Verpackungen betrügt Konsumenten, verhindert gutes Recycling, belastet die Umwelt – und letztlich auch das Image des verantwortlichen Unternehmens. Wir als Agentur für Packaging Design raten jeder Firma zu Ehrlichkeit und Authentizität, denn nur damit lässt sich eine langfristig erfolgreiche Marke aufbauen. Wenn es aus einem bestimmten Grund nicht möglich ist, eine wirklich nachhaltige Verpackung zu verwenden, dann tut man Verbrauchern, der Umwelt und auch sich selbst einen Gefallen damit, auf die Nutzung sinnloser Pappmäntel oder Verbundstoffe für eine umweltfreundlichere Optik zu verzichten.

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